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       Warum sich jetzt jede Bücherei einen InternetOPAC leisten kann?
   

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Ein Internetkatalog mit Mehrwert
Die Verwendung des Preisgeldes in der Bibliothek Gerstungen
- eine Bilanz nach einem Jahr

Es ist jetzt fast ein Jahr her, dass unsere Bibliothek mit dem ersten Thüringer Bibliothekspreis ausgezeichnet wurde. Einige stellen sich sicher, kurz vor der Bekanntgabe des nächsten Preisträgers Fragen wie:
Was ist seitdem in Gerstungen geschehen?
Was konnte die Bibliothek, was konnten die Mitarbeiter inzwischen erreichen und welche Verbesserungen für die tägliche Arbeit haben sich ergeben?
Wie konnten die Leser von dem Preisgeld profitieren?
Sind die Intentionen der Stifter berücksichtigt worden?
Und wurde das Geld schon vollständig verwendet?
Wie Sie wissen, ist Dank des Engagements der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen die Auszeichnung mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 € verbunden. Für eine kleine Bibliothek ist das eine Menge Geld! Und natürlich wollten wir mit dessen Verwendung ein Maximum für unsere Leser bewirken. Der Betrag sollte nach den Vorstellungen der Stifter für zusätzliche Aufgaben benutzt werden und nicht als Ersatz ordentlicher Haushaltsmittel dienen. In einer Pressekonferenz Ende November letzten Jahres stellten wir unsere mit den Stiftern, dem Bibliotheksverband und der Gemeinde Gerstungen abgestimmten Absichten zur Preisgeldverwendung vor. Ein Teil des Geldes (4000 Euro) wurde noch im November für den InternetOPAC „findus“ der Softwarefirma datronic IT-Systeme ausgegeben.
Schon längere Zeit vorher suchten wir nach einer Lösung, unseren Lesern den Bestand der Bibliothek im Internet zu präsentieren – insbesondere seitdem klar war, dass der OPAC der Thüringer Bibliotheken nicht mehr aktualisiert werden konnte. Nun, mit den neuen finanziellen Möglichkeiten ausgestattet, hatte ein Internet-Katalog für uns die oberste Priorität. Der OPAC sollte leistungsfähig, wartungsarm, zuverlässig, kompatibel mit unserem Bibliotheksprogramm (BOND) und vor allem in den Nachfolge-kosten finanzierbar sein. Nach vielen Recherchen, Leistungs- und Preis-vergleichen lag uns schließlich ein Angebot der Firma datronic vor, das alle überzeugte.
„findus“ ist ein Offline-InternetOPAC mit Online-Funktionalitäten. Die Software ermöglicht die schnelle Recherche im Bestand der jeweiligen Bibliothek mittels eines beliebigen PCs mit Internetanschluss. Den Lesern stehen dabei alle Bestands- und Ausleihdaten tagesaktuell zur Verfügung.
Die Suche für die Nutzer gestaltet sich denkbar einfach:
Im Bestand kann nach Autoren, Titeln usw. recherchiert werden.
Es ist sofort zu erkennen, ob ein gesuchtes Medium verliehen oder vorhanden sind.
Alle Neuzugänge der letzten Monate können abgerufen werden.
Die Leser können sich per E-Mail und automatisiert über Neuzugänge informieren lassen (ähnlich einer Newsgroup-Mitgliedschaft).
Links zu Medien-Details mit Coverscans und Inhaltsbeschreibungen werden ergänzend angeboten.
Für jede Mediengruppe können die Top 20 Ausleihen angesehen werden.
Die Leser können jederzeit abfragen, welche Medien sie ausgeliehen haben und welche Fristen einzuhalten sind. Mittels Barcode-Nummer des Leserausweises und eines Passwortes (eigenes Geburtsdatum) wird das Leserkonto aufgerufen.
Jeder Leser kann online einen Antrag auf Verlängerung oder Reservierung stellen. Die Bibliothek bekommt dann automatisch eine Email, das Personal prüft den Wunsch und der Leser kann nach der nächsten Datenübertragung sehen, ob seinem Antrag entsprochen wurde.
Täglich am Ende der Ausleihzeit werden die nötigen Daten aus unserer Bibliotheksdatenbank von einem kleinen Programm („feedfindus“) extrahiert und in etwa drei Minuten über Internet zum Server der Firma datronic übertragen – und das Ganze mit nur einem (Doppel-)Klick.
Weder eine (teure) Standleitung noch ein eigener Web-Server werden benötigt, da alle relevanten Daten auf den datronic-Server geladen wurden. Sicherheitsprobleme spielen dabei keine Rolle.
Für die Mitarbeiter der Bibliothek entsteht keinerlei Mehraufwand – abgesehen vom (Doppel-)Klick.
„findus“ läuft seit dem ersten Tag völlig wartungsfrei und ohne Probleme.
Auch die Zusammenarbeit mit der Firma datronic ist ausgezeichnet. Für 4000 € erhielten wir einen Fünf-Jahres-Vertrag – inklusive Wartung und Updates. Später würden bei Verlängerung monatliche Service Kosten von 37,50 Euro pro Monat (450 Euro im Jahr) anfallen.
Von unseren Lesern wird der OPAC dankend angenommen. Seit November 2003 gab es bereits mehr als 10.000 Zugriffe auf den Katalog. Fast täglich empfangen wir Email-Anträge für Verlängerungen und Vorbestellungen.
Seit Mai d. J. ist der Katalog auf der neugestalteten Homepage der Bibliothek zu finden. Diese Internetseite wurde von der Eisenacher Computerfirma IGV in Zusammenarbeit mit der Bücherei entworfen und integriert unseren Katalog auf sehr gelungene Art und Weise. Bezahlt wurde der neue Internetauftritt der Bibliothek von der Gemeinde Gerstungen. Vorher hatte datronic kostenlos für die Bücherei eine Internetpräsenz auf ihrem Firmenserver erstellt. Durch die neue Homepage wird der Zugang zum Bestand für unsere Nutzer noch einfacher.
Auch wenn das Projekt „OPAC der Thüringer Bibliotheken“ im ÖVK nun eine Neuauflage erfährt, ist die Anschaffung des Kataloges mit seinen oben beschriebenen Leistungsmerkmalen wie Tagesaktualität, Zuverlässigkeit und Wartungsfreiheit zusammen mit den guten und serviceorientierten Angeboten für die Leser eine beispielgebende und jedem Vergleich standhaltende Investition in die Zukunft gewesen.
Wenn Sie „findus“ einmal selbst ausprobieren möchten, unter www.bibliothek.gerstungen.de können Sie sich ein Bild machen!
Den restlichen Teil des Preisgeldes möchten wir für zwei weitere Vorhaben einsetzen – der Einrichtung eines Leseraumes und für die Anschaffung eines Beamers mit entsprechendem Soundsystem.
Die Präsentationstechnik soll bei Internetkursen, Bibliothekseinführungen, Fachvorträgen der unterschiedlichsten Art und zu Filmvorführungen verwendet werden. Das Projekt unserer nächsten Freiwilligen im FSJ Kultur (ab September d. J.) wird die Etablierung eines „Bibliothekskinos“ zum Ziel haben. Für die nötige Technik sind Kosten in Höhe von 4000 € veranschlagt.
Das Kino-Projekt ist außerdem unmittelbar mit dem Vorhaben verbunden, was uns seit längerem am Herzen liegt – der Einrichtung eines Leseraums. Dafür wollten wir den restlichen Teil der Mittel einsetzen.
Da die Gesamtkosten für die Ausstattung des neuen Lese-, Informations- und Veranstaltungsbereiches ca. 8000 € betragen, sollte dieses Projekt zusätzlich auf Landesförder- und Eigenmittel abgestützt werden.
Die Gemeinde hatte sich trotz angespannter Haushaltslage bereiterklärt, 2000 € Eigenmittel als Investition im Etat 2004 einzuplanen, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Sparkassen Kulturstiftung ihrerseits 2000 € des Preisgeldes zur Verfügung stellen wollte. Ein entsprechender Fördermittelantrag mit ausführlicher Projektbeschreibung wurde noch im Oktober des letzten Jahres an das Ministerium gerichtet. Dieser Antrag über die noch fehlenden 4000 € wurde jedoch zu unserer großen Enttäuschung abgelehnt.
Aus diesem Grund werden wir vorerst die restlichen 6000 € des Preisgeldes als „eiserne Reserve“ zurückhalten müssen. Ein Leseraum ist zwar dringend erforderlich, kann aber nicht auf Kosten der anderen geplanten Ziele (Bibliothekskino) durchgesetzt werden. Das Bibliothekskino als neue Veranstaltungsform für unsere Leser und interessante Aufgabe für unsere FSJlerin wäre auch sehr schön, doch wo sollte es stattfinden?
Öffentliche Kultureinrichtungen leben von Förderungen. Solange dies, gerade bei kleineren Projekten immer weniger geschieht (und eine Bibliothek wie unsere, wird nie andere haben), können Sie sich, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch weiterhin über unsere Sparsamkeit wundern.
Wir müssen neu überlegen, uns für eine Sache entscheiden und eventuell auch wieder einen weiteren Förderzyklus abwarten.

Karin Pforr - Bibliothek Gerstungen  / 11. August 2004
www.bibliothek.gerstungen.de

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